Donnerstag, 19. April 2018

100 Meter Hamburg in der Xpon-Art Gallery

Meine Arbeit "100 Meter Hamburg" in der Ausstellung "Vermessen" in der Xpon Art Galerie - z sehen noch bis zum 29. April - immer 18 bis 21 Uhr, Respoldstraße 45.


Sozialstrukturen einer Stadt können vermessen werden. So wird in Hamburg regelmäßig ein Stadtteilatlas erstellt, der zum Beispiel die Bevölkerungsstruktur der Viertel in arm und reich einteilt. Dabei kommt heraus, dass in den Stadtteilen Rothenburgsort und Billbrook im Schnitt die meisten Szialhilfeempfänger leben. Dagegen leben in den Elbvororten sowie im Alstertal und den Walddörfern am wenigsten Menschen, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Poppenbüttel und Rissen sind bei einer anderen Erhebung, die Teile der Stadt mit den ältesten Bewohnern. Die "jungen Stadtteile" sind Billbrook, Neuallermöhe, die Veddel und St. Pauli. Welche Auswirkungen diese sozialen Strukturen haben sieht man nach aufwendigen Erhebungen an Kaufverhalten, Autoanmeldungen oder der Größe der durchnittlichen Wohnung in Bezug auf die dort lebenden Menschen.


Welche Vermessung gibt es aber, die auf der einen Seite die Bevölkerung selber zu Wort kommen lässt und auf der anderen Seite öffentlich zugänglich ist. Die Erhebung der folgenden künstlerischen Arbeit bezieht sich auf jeweils 100 Meter in 10 verschiedenen Hamburger Stadteilen. Erhoben werden individualisierte oder seltene Wlan-Namen in den jeweiligen 100 Metern Strecke. Die Grundannahme ist, dass Unterschiede erkannt werden können und vielleicht sogar in welchem Stadtteil die Erhebung stattgefunden hat. Nicht erhoben werden häufige und automatisch generierte wlan-Namen wie zum Beispiel Fritzbox, Vodafone, Freifunk, WilhelmTel oder O2. Durch die Annahme, dass Wlan-Namen in den meisten Fällen spontan gewählt werden (wer hat sich vor dem Einrichten des Wlans schon Gedanken über den Namen gemacht?) bereichert die Interpretationsmöglichkeit.

Die künstlerische Ausarbeitung wurde bei der Ausführung der Arbeit bewusst als Kontrast zu der modernen (Büro) Technik gesetzt. Die Wlan-Namen wurden dabei mit Schreibmaschine auf A6-Karteikarten geschrieben. Die erhobenen Stadteile sind Steilshoop, St. Pauli, Ottensen, Grindelviertel, Generalsviertel, Övelgönne, Harburg, Finkenwerder, Münzviertel und Winterhude.